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Wie viel Digitalisierung braucht die Chemieindustrie?

In Zeiten des digitalen Wandels eine erfolgsentscheidende Frage, auf die Joachim Getto, Associate Partner für Geschäftsmodelle und Digitalisierung in der Logistik bei der CAMELOT Management Consultants AG, auf dem Forum Chemielogistik 2017 Rede und Antwort stand.

Die zentrale Frage, die viele Logistikexperten umtreibt, lautet: Wie viel Digitalisierung benötigen Chemieunternehmen denn nun tatsächlich?

Joachim Getto: Pauschal gesprochen eben so viel, dass ein Unternehmen einen Vorteil gegenüber seinen Wettbewerbern erzielt. Das hört sich einfach an, hängt aber stark davon ab, inwieweit ein Unternehmen in der Lage ist, neue Geschäftsmodelle zu schaffen und die damit verbundenen Erfolgsfaktoren zu etablieren. Wenn wir den Status Quo betrachten, sehen wir immer noch zahlreiche traditionell aufgestellte Unternehmen. Sie verfügen über gewachsene Geschäftsprozesse, mit denen sie sich lange Zeit erfolgreich gegenüber ihren Wettbewerbern behauptet haben. Aber genau diese Wettbewerbsvorteile und die damit verbundenen Geschäfts- und Erfolgsfaktoren werden durch den digitalen Wandel in Frage gestellt. Insbesondere in der Chemieindustrie wird dieser allerdings zögerlicher stattfinden als in anderen Industriezweigen, die sich stärker im Konsumentenumfeld bewegen. Aktuell versuchen die Chemieindustrien verstärkt über E-Commerce-Plattformen den Konsumenten zu erreichen und sich der Zwischenstufe des Handels zu entledigen.

Welche Herausforderungen lassen sich folglich aus Ihrer Sicht daraus ableiten?

Joachim Getto: Die Herausforderungen, vor denen die Chemieunternehmen stehen, hängen mit dem Reifegrad der Logistik zusammen. Eine Optimierung erfolgt heute nach wie vor durch Automatisierung der Logistikprozesse. Erforderlich wäre es allerdings, dass sich die Verantwortlichen mit der Autonomisierung oder Individualisierung ihrer Produkte beschäftigen. Ansonsten ist der digitale Wandel kaum zu bewerkstelligen.

Muss ein Beratungsunternehmen dafür nicht disruptive Lösungsansätze liefern und den Unternehmen aufzeigen, welche Auswirkungen die Digitalisierung denn letztendlich auf sie hat?

Joachim Getto: Disruptiv ist in diesem Kontext ein unpassendes Attribut. Es impliziert, dass etwas ganz überraschend und plötzlich passiert. Ich stelle jedoch immer wieder fest, dass erfolgreiche Unternehmen den Wandel und die damit verbundenen Veränderungen sehr wohl bemerken. Denn eine technologische Entwicklung unterliegt immer einer gewissen Konstanz. So sind die Technologien, die hinter dem Schlagwort „Digitalisierung“ stecken, teils schon in den 90er Jahren oder noch früher aufgekommen.

Das leuchtet ein. Aber was geben Sie als Experte und Berater den Unternehmen an die Hand?

Joachim Getto: Zu meiner Aufgabe als Berater gehört es, mich mit Zukunftsthemen, Trends und neuesten Forschungsergebnissen zu beschäftigen. Auf diese Weise kann ich nicht nur Erfahrungen aus anderen Beratungsprojekten, sondern auch neue Ansätze aus der Forschung und Entwicklung in ein Klientenunternehmen hineintragen. Auf dieser Basis kann ein fruchtbarer Dialog stattfinden, aus dem wir individuelle Lösungen erarbeiten. Ein guter Berater muss dabei auch immer im Blick haben, ob eine bestimmte Lösung zu einem Unternehmen passt, welche Faktoren eine solche beeinflussen und ob diese auch wirklich zukunftsfähig ist.

Stichwort Zukunftsfähigkeit. Welche Innovationen oder Technologien werden Ihrer Meinung nach die Chemieindustrie und -logistik in den kommenden fünf Jahren beeinflussen?

Joachim Getto: In den nächsten Jahren wird man sich verstärkt mit Technologien beschäftigen, die in hohem Maße dazu beitragen, die Chemielogistik effizienter, zuverlässiger und sicherer zu machen. Große Potenziale in Sachen Sicherheit bietet zum Beispiel die Blockchain-Technologie. Mobile Apps sorgen für eine effizientere Kommunikation innerhalb von Logistikprozessen. Ein weiteres spannendes Thema wird Cognitive Computing in Verbindung mit Digital Voice sein – also quasi die Alexa oder Siri für die Logistik. Entscheidend ist jedoch, dass wir die Menschen in den Unternehmen beim anstehenden Transformationsprozess begleiten und neue Wissensgebiete schaffen. Deshalb bin ich überzeugt, dass mit dem so genannten Data Analyst ein neues Berufsbild in der Chemieindustrie entsteht. Er hat den Durchblick, wenn es um Zahlen, Analysen und Daten geht und wird dafür sorgen, dass IT und Logistik in erforderlichem Maße zusammenwachsen.

Auf dem Arbeitsmarkt sind derartige Spezialisten erst einmal nicht verfügbar. Welche Kompetenzen muss ein solcher Data Analyst mitbringen? Und wie können die Unternehmen solche Experten ausbilden?

Joachim Getto: Ein Data Analyst benutzt die IT-Technologie als zentrales Werkzeug. Dieses muss er beherrschen. Darüber hinaus benötigt er jedoch auch das Fachverständnis dafür, welche Daten aus der Vielzahl der zu Verfügung stehenden Informationen auch wirklich relevant sind, um das Unternehmen vorwärts zu bringen. Das zielgerichtete Katalysieren und Interpretieren von Massendaten ist ja die eigentliche Herausforderung von „Big Data“. Der Data Analyst kombiniert also Fach- mit IT-Wissen. Und das ist noch nicht einmal etwas Neues. Diese Diskussion führe ich seit zehn Jahren. Die Unternehmen müssen ihre älteren Mitarbeiter gut ausbilden. Dafür gibt es mittlerweile Ausbildungsgänge, die die erfahrenen Fachkräfte speziell auf diese neuen Anforderungen schulen. Bei den jüngeren Fachkräften stellt sich diese Frage von vorn herein nicht. Als „Digital Natives“ leben sie die Digitalisierung und wachsen mit all diesen Themen, die wir hier diskutieren, von vornherein auf.

Vor dem Hintergrund all dieser Erkenntnisse: In welchen Bereichen sollte die Chemielogistik noch investieren?

Joachim Getto: Im Moment investieren die Logistiker noch nicht im erforderlichen Umfang in digitale Technologien. Dazu würde meines Erachtens der Einsatz von selbststeuernden, dezentralen Robotern zählen oder Werkzeuge zur Big-Data-Analyse. Nur mit solch wegweisenden Technologien lässt sich zum Beispiel die Lieferzuverlässigkeit durchgängig verbessern. Allerdings muss immer der jeweilige aktuelle Reifegrad der Technologien selbst mit betrachtet werden.

Halten wir fest: die Unternehmen sind gefordert, ihre Transformation zu realisieren, sich daraus neue erfolgreiche Geschäftsmodelle zu erschließen und den Mehrwert für ihre Kunden in den Vordergrund zu stellen. All das ist abhängig von Strategie, Kundenstruktur und Kundenbindung. Dabei ist dennoch klar, dass die Digitalisierung unumkehrbar ist. Wer in Zukunft erfolgreich am Markt agieren will, muss ohne jeden Zweifel die damit verbundenen Veränderungen beherrschen.

 

©Kai Bublitz/BVL 
©Kai Bublitz/BVL 

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